Rezension: Nicht warten starten

Nicht warten startenDer Titel “Nicht warten – starten! Das 7-Minuten-Programm zur Motivation!” ist in meinen Augen sehr reißerisch gewählt und hat mich zunächst abgeschreckt. Allerdings habe ich mich doch entschlossen dieses Buch zu lesen und der Inhalt beschäftigt mich jetzt schon seit über einem halben Jahr.

Der Autor “Michael Pantalon” beginnt das Buch gleich mit einem Beispiel direkt aus der Praxis und verdeutlicht daran die wichtigsten Elemente seines Konzepts. Inhaltlich geht es um die von ihm entwickelte “Instant-Influence-Methode”. Diese Methode soll anderen Leuten dabei helfen ihre eigene Motivation für eine Veränderung zu finden. Das Buch vermittelt dem psychologischen Laien viele Elemente aus der “Motivierenden Gesprächsführung“.

Laut Pantalon kann man diese Methode in 7 Minuten durchführen und besteht aus den folgenden Schritten:

Schritt 1. Warum könnten Sie sich ändern wollen?

Schritt 2. Wie groß ist Ihre Bereitschaft sich zu ändern auf einer Skala von 1 bis 10? Hierbei heißt 1 “überhaupt nicht bereit” und 10 “vollkommen bereit”.

Schritt 3. Warum haben Sie keine kleinere Zahl genommen?

Schritt 4. Stellen Sie sich vor, Sie hätten sich verändert. Was wären die positiven Resultate?

Schritt 5. Warum sind Ihnen diese Resultate wichtig?

Schritt 6. Was ist, wenn überhaupt, der nächste Schritt?

Der Zweck dieser Schritte ist, dass die Person ihre eigenen Gründe findet, warum eine Änderung in ihrem Verhalten von Vorteil ist. Entwickelt hat Pantalon dieses Konzept, um alkoholkranke und drogenabhängige Patienten in kurzer Zeit in der Hektik der Notaufnahme dazu zu motivieren sich Hilfe zu suchen. Hierdurch kommt auch die Aussage, dass diese Methode in 7 Minuten durchgeführt werden kann.

Nach meiner Meinung darf im normalen Alltag das Gespräch mit einer anderen auch länger als 7 Minuten dauern. Daher würde ich diese Angabe nicht auf die Goldwaage legen und finde das eine solche Zeiterwartung ehr kontraproduktiv für das Ergebnis sein kann.

Der Autor geht im Rest des Buchs im Detail auf die Fragen und ihre Bedeutung ein. Aus meiner Sicht erschließt sich erst dann der wirkliche Sinn dieser Methode. Die sechs Fragen sind nur wichtig, um eine gewisse Struktur in dem Gespräch aufrechtzuerhalten.

Der Schritt 1 “Warum könnten Sie sich ändern wollen?” ist wichtig, um den Menschen zunächst seine Freiheit zurückzugeben und alleine entscheiden kann, was er tut. Das Buch warnt eindringlich vor dem Einsatz von übereilte Vorschlägen und Gründen. Pantalon bezeichnet diesen Ansatz als “Tell-and-Sell”. Er erklärt, warum durch diesen Ansatz häufig das Gegenteil als Ergebnis herauskommt. Zahlreiche Studien belegen dieses ablehnende Verhalten, dass man als “psychologische Reaktanz” bezeichnet. Das richtige Verfahren ist es, den Gesprächspartner seine Autonomie zurückzugeben und entsprechendes Vertrauen aufzubauen. Hierdurch erhält er die Verantwortungen für seine Entscheidungen zurück. Der Sinn dieses ersten Schrittes ist es im Gespräch mögliche Motivationen des Gegenübers herauszukitzeln.

Der Schritt 2 “Wie groß ist Ihre Bereitschaft sich zu ändern auf einer Skala von 1 bis 10?” hat den Zweck alte Verhaltensmuster zu unterbrechen. Hierdurch soll sich das Bewusstsein einer Person von einem Schwarz/Weiß denken zu einem abwägenden Überlegen bewegen. Das Ziel ist, das die Person eine mögliche Veränderung nicht mehr komplett ablehnt. Sollte tatsächlich die “1” genannt werden, sind die Gründe hierfür zu ermitteln. Möglicherweise wurde im Schritt 1 die Autonomie nicht ausreichend gefördert oder es sollte mit einem kleineren Schritt zur Veränderung angefangen werden. Die Größe der Zahl sollte einen nicht verunsichern. Wichtig ist nur, das bei dem anderen ein Nachdenken einsetzt.

Der nächste Schritt “3. Warum haben Sie keine kleinere Zahl genommen?” soll den Druck und Zwang von der Person nehmen und zu weiterem Nachdenken der Person führen und möglicherweise verborgene Motivationen aufdecken.

Der 4. Schritt “Stellen Sie sich vor, Sie hätten sich verändert. Was wären die positiven Resultate?” ist eine klassische Wunschfrage. Der Sinn dieser Frage ist es die Gedanken von den Hindernissen und Problemen weg zu führen. Die Vorteile der Veränderungen werden weiter in den Vordergrund gerückt werden.

Im 5. Schritt “Warum sind Ihnen diese Resultate wichtig?” werden die tieferen Gründe hinterfragt. Tiefer liegende Gründe können mit der Technik der “5 Warums” aufgedeckt werden. Hierbei hinterfragt man 5-mal den tieferen Grund für eine Ursache. Häufig wird man aber nicht in die Verlegenheit kommen, wirklich fünf Fragen zu stellen. Es reicht häufig, nur bis zu einem gewissen Grad, die Interessen der Person herauszuarbeiten. Die Person muss genügend Zeit gegeben werden, damit Sie in sich hinein fühlen kann.

Der letzte und 6. Schritt “Was ist, wenn überhaupt, der nächste Schritt?” handelt nicht mehr von “Warum?” sondern es geht um das “Wie?”.  Hier ist es noch einmal wichtig, die Autonomie weiter zu bestärken. Die Verantwortung wird weiter der Person überlassen, um den passenden Weg zur Lösung zu finden. Zusammen mit der Person kann man erreichbare und realistische Ziele (SMART-Ziele) definieren, sofern das tatsächlich noch notwendig ist.

Das Buch geht bei allen Schritten sehr tief ins Detail und bringt viele Beispiele aus der Praxis. Dem Leser erlangt hierdurch ein tiefes Verständnis für diese Methode. Leider nerven manche der Wiederholungen anderseits habe ich auch nach mehrmaligen Lesen noch neue Informationen aus dem Buch ziehen können.

Für mich war und ist dieses Buch sehr nützlich gewesen, um Motivation aber auch mein Verständnis und Menschenbild im Allgemeinen zu stärken. Daher kann ich dieses Buch jeden, der sich für das Thema interessiert, nur ans Herz legen. Das Wundermittel, das dieses Buch zunächst verkaufen will, ist es sicherlich nicht, aber gibt tiefe und spannende Einblicke in die Psychologie und Motivation. Der Inhalt wird verständlich und nicht akademisch an sehr vielen verständlichen Beispielen vermittelt.

Einige englische Videos hierzu in Youtube:

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